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 Lisa Stumpenhagen

Wechseljahre & Hormone – Wenn sich der Körper neu sortiert

Die Wechseljahre sind für viele Frauen eine Zeit der Veränderung – körperlich, emotional und mental. Was oft als „natürlicher Prozess“ beschrieben wird, ist in Wahrheit ein komplexes Zusammenspiel biochemischer Prozesse, allen voran hormoneller Veränderungen. Doch was passiert dabei genau im Körper, welche Symptome können auftreten – und wie können Frauen diese Phase gut und gesund begleitet durchleben?

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Was passiert in den Wechseljahren?

Etwa ab dem 40. Lebensjahr beginnt bei vielen Frauen der natürliche Rückgang der Produktion weiblicher Sexualhormone – insbesondere Östrogen und Progesteron. Zunächst verringert sich das Progesteron, was zu Zyklusunregelmäßigkeiten führen kann. Im weiteren Verlauf verändert sich auch die Östrogenproduktion zunehmend. Als Reaktion darauf versucht der Körper, die Eierstockfunktion über eine verstärkte Ausschüttung des Follikelstimulierenden Hormons (FSH) anzuregen. Dieser hormonelle Wandel ist keine Krankheit, kann sich aber auf viele Bereiche des Körpers und der Psyche auswirken. Typische Beschwerden sind beispielsweise Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Konzentrationsprobleme, Gewichtszunahme oder Libidoverlust. Auch Veränderungen der Muskelmasse sowie Muskel- und Gelenkbeschwerden können auftreten.

Wichtig zu wissen: Nicht jede Frau erlebt die Wechseljahre gleich – und nicht jede hat die klassischen Hitzewallungen. Gerade Schlafprobleme, Erschöpfung, psychische Veränderungen oder körperliche Beschwerden werden deshalb nicht immer unmittelbar mit der hormonellen Umstellung in Verbindung gebracht. Wechseljahresbeschwerden können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und sich im Laufe der Zeit verändern.

Diese Phase lässt sich in drei Abschnitte unterteilen:

  • Prämenopause: Der Progesteronspiegel beginnt zu sinken, erste Zyklusveränderungen treten auf, der FSH-Wert steigt.
  • Perimenopause: Östrogen fällt ab, der Zyklus wird unregelmäßig, die Menstruation bleibt schließlich aus.
  • Postmenopause: Es herrscht ein dauerhafter Mangel an Geschlechtshormonen; der FSH-Wert bleibt langfristig erhöht.

Auch Männer erleben mit zunehmendem Alter hormonelle Veränderungen – wenn auch meist deutlich schleichender. Dabei kann unter anderem die Testosteronproduktion abnehmen.

Was sind Hormone eigentlich – und warum sind sie so wichtig?

Hormone sind biochemische Botenstoffe, die bereits in kleinsten Mengen große Wirkungen entfalten. Sie steuern zahlreiche Prozesse im Körper: Wachstum, Stoffwechsel, Stimmung, Energiehaushalt und Fortpflanzung. Neben bekannten Vertretern wie Insulin oder Adrenalin zählen auch Schilddrüsenhormone, Sexualhormone wie Östradiol, Progesteron und Testosteron sowie DHEAS und Cortisol dazu.

Mit zunehmendem Alter verändert sich die Produktion verschiedener Hormone. Das kann sich nicht nur auf körperliche Funktionen wie Knochendichte, Muskelmasse oder Haut auswirken, sondern auch auf das emotionale Wohlbefinden.

Wechseljahre und langfristige Gesundheit

Die Wechseljahre betreffen nicht nur den Zyklus oder typische Beschwerden wie Hitzewallungen. Die veränderte Hormonsituation kann auch langfristig Einfluss auf verschiedene Bereiche der Gesundheit nehmen. Insbesondere der Rückgang des Östrogenspiegels spielt dabei eine wichtige Rolle. Östrogen ist unter anderem am Knochenstoffwechsel beteiligt. Sinkt der Östrogenspiegel, kann der Knochenabbau zunehmen und die Knochendichte im Laufe der Zeit abnehmen. Dadurch steigt nach den Wechseljahren das Risiko für Osteoporose. Auch Muskelmasse und Körperzusammensetzung können sich verändern.

Darüber hinaus verändert sich mit zunehmendem Alter das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Stoffwechselstörungen. Deshalb lohnt es sich, die Wechseljahre nicht ausschließlich unter dem Gesichtspunkt akuter Beschwerden zu betrachten, sondern auch die langfristige Gesundheit in den Blick zu nehmen. Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung – insbesondere Krafttraining –, ausreichend Schlaf und eine gute Versorgung mit wichtigen Mikronährstoffen können dazu beitragen, gesund und leistungsfähig älter zu werden. Abhängig von persönlichen Risikofaktoren und Beschwerden können außerdem gezielte Vorsorgeuntersuchungen sinnvoll sein.

Die Wechseljahre sind ein natürlicher Lebensabschnitt. Das bedeutet jedoch nicht, dass Frauen belastende Beschwerden einfach hinnehmen müssen. Entscheidend ist, Veränderungen richtig einzuordnen und gemeinsam mit einer Ärztin oder einem Arzt zu prüfen, welche Unterstützung individuell sinnvoll ist.

Hormontherapie in den Wechseljahren

Viele Frauen suchen Unterstützung, wenn Wechseljahresbeschwerden ihren Alltag beeinträchtigen. Neben naturheilkundlichen Ansätzen steht heute vor allem die bioidente Hormontherapie im Fokus. Im Gegensatz zu älteren, synthetischen Präparaten werden hier nur Substanzen eingesetzt, die den körpereigenen Hormonen strukturell identisch sind – wie natürliches Östradiol oder Progesteron. Diese stammen meist aus pflanzlichen Rohstoffen und können individuell dosiert werden, z. B. als Creme, Gel oder Kapsel.

Bioidente Hormontherapie

  • Verwendung von Hormonen, die chemisch identisch mit den körpereigenen sind (z. B. Östradiol, Progesteron)
  • Individuell dosierbar, meist besser verträglich
  • In Form von Cremes, Gelen oder Kapseln
  • Regelmäßige Laborkontrollen empfohlen
     

Klassische Hormonersatztherapie (HRT)

  • Kombination aus Östrogen und Gestagen (bei Frauen mit Gebärmutter)
  • In Form von Tabletten, Pflastern oder Gelen
  • Wirksam bei Hitzewallungen, Schlafstörungen, Osteoporose
  • Gering erhöhtes Risiko für Thrombosen oder Brustkrebs – abhängig von Dauer und individueller Situation
     

Lokale Östrogentherapie

  • Zur Behandlung von vaginaler Trockenheit, Juckreiz oder Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Anwendung als Creme, Zäpfchen oder Vaginalring
  • Sehr geringe Dosierung, kaum Nebenwirkungen
     

Testosteron (bei Bedarf)

  • Ergänzung bei starker Erschöpfung oder Libidoverlust
  • Nur nach ärztlicher Diagnostik und sorgfältiger Dosierung
     

Pflanzliche Alternativen

  • z. B. Traubensilberkerze, Soja oder Rotklee
  • Für leichte Beschwerden geeignet, aber oft mit schwächerer Wirkung

Wichtig: Eine Hormontherapie sollte immer individuell geplant und medizinisch begleitet werden. Ihre Lebensqualität steht im Mittelpunkt – sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über geeignete Optionen.

Laboruntersuchung: Hormonwerte im Blick

Um herauszufinden, ob tatsächlich ein Hormonmangel vorliegt – und welche Werte betroffen sind – ist eine Laboruntersuchung sinnvoll. Sie hilft dabei, gezielt und individuell zu behandeln. Auch während einer laufenden Therapie werden die Hormonspiegel regelmäßig kontrolliert. So lässt sich sicherstellen, dass die Werte im gewünschten Bereich liegen und sich die Beschwerden nachhaltig verbessern.

Ein besonders wichtiger Laborwert in den Wechseljahren ist das Follikelstimulierende Hormon (FSH). Es wird in der Hirnanhangsdrüse gebildet und regt in der fruchtbaren Phase die Eizellreifung in den Eierstöcken an. Wenn die Eierstöcke weniger aktiv werden, steigt der FSH-Wert als Gegenreaktion deutlich an – oft bereits in der frühen Prämenopause. Ein erhöhter FSH-Wert kann daher ein Hinweis auf den Beginn der Wechseljahre sein, auch wenn die Menstruation noch nicht ausgeblieben ist. Gemeinsam mit anderen Hormonwerten wie Östradiol oder Progesteron gibt der FSH-Wert ein umfassenderes Bild der hormonellen Situation.

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Positive Einflüsse auf das Wohlbefinden

Auch Lebensstilfaktoren spielen während und nach den Wechseljahren eine wichtige Rolle. Regelmäßige Bewegung, insbesondere Krafttraining, unterstützt den Erhalt von Muskelmasse und Knochen. Eine ausgewogene Ernährung trägt zur Versorgung mit wichtigen Nährstoffen bei, während ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress das allgemeine Wohlbefinden unterstützen können.

Zudem sollten mögliche Mikronährstoffmängel individuell betrachtet werden. Gerade mit Blick auf gesundes Älterwerden lohnt es sich, nicht nur einzelne Beschwerden, sondern die langfristige körperliche Gesundheit im Blick zu behalten.

Fazit

Die Wechseljahre sind keine Krankheit, sondern eine natürliche Lebensphase – dennoch können die hormonellen Veränderungen das körperliche und seelische Wohlbefinden erheblich beeinflussen. Dabei geht es längst nicht nur um Hitzewallungen: Schlaf, Stimmung, Konzentration, Sexualität, Muskeln und Knochen können ebenfalls betroffen sein.

Wer versteht, was während der Wechseljahre im Körper passiert, kann Beschwerden besser einordnen und gemeinsam mit Ärztinnen und Ärzten geeignete Möglichkeiten zur Unterstützung finden. Gleichzeitig bieten die Wechseljahre einen guten Anlass, die eigene langfristige Gesundheit stärker in den Blick zu nehmen – von Bewegung und Ernährung über die Knochengesundheit bis hin zur individuellen Vorsorge. So geht es nicht nur darum, gut durch die Wechseljahre zu kommen, sondern auch darum, die Voraussetzungen für ein gesundes und aktives Älterwerden zu schaffen.

Redaktioneller Hinweis:
Dieser Beitrag wurde von unserer Redaktion erstellt und medizinisch von unseren Fachärzt*innen geprüft. Die Inhalte dienen ausschließlich zu Informationszwecken und ersetzen keine individuelle ärztliche Beratung.

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