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09.05.2019 - Dr.  Heidi Kluge

Stoffwechselerkrankungen, die zu Übergewicht führen

Arzt untersucht Schilddrüse

Wenn trotz gesunder Ernährung und Sport die Waage immer mehr Gewicht anzeigt, kann in einigen Fällen eine Stoffwechselerkrankung für das Übergewicht verantwortlich sein. Die Betroffenen haben weder ihr hohes Körpergewicht selbst verschuldet, noch können sie über Selbstdisziplin etwas dagegen tun. Nach längerem vergeblichem Versuch abzunehmen, sollte eine Stoffwechselstörung als Auslöser ausgeschlossen werden. Mögliche hormonelle Ursachen sind z.B. eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreodismus) oder ein Cushing-Syndrom, d.h. eine krankhaft gesteigerte Produktion des Nebennierenhormons Cortisol. Ist die Stoffwechselerkrankung erstmal erkannt, kann diese behandelt werden.

Schilddrüsenunterfunktion

Die Schilddrüse ist im menschlichen Körper über die Produktion von Schilddrüsenhormonen an einer Vielzahl von Körperfunktionen beteiligt. Sie wirken z.B. auf die Herzaktivität und den Blutdruck, aktivieren den Fettstoffwechsel sowie die Nieren- und Darmtätigkeit. Außerdem spielen die Schilddrüsenhormone eine wesentliche Rolle für viele Wachstumsprozesse und steigern den Grundumsatz sowie den Energieverbrauch des gesamten Körpers. Produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone, spricht man von einer Unterfunktion (Hypothyreose).

Eine Schilddrüsenunterfunktion kann sowohl angeboren als auch erworben sein.

Die im Erwachsenenalter auftretende Hypothyreose ist fast immer erworben. Die häufigste Ursache hierfür ist die Hashimoto-Thyreoiditis, auch Autoimmunthyreoiditis genannt. Durch eine Fehlregulation des Immunsystems kommt es zur Bildung von im Blut messbaren Antikörpern, die die Funktion der Schilddrüse beeinträchtigen und langfristig zu einem weitgehenden Verlust der Organfunktion bzw. einer Zerstörung der Drüse führen. Weitere Ursachen einer Unterfunktion können z.B. eine vorangegangene Operation der Schilddrüse oder eine schwere Unterversorgung des Körpers mit Jod sein.

Schilddrüsen-Funktionsstörungen

Die typischen Symptome einer Unterfunktion der Schilddrüse sind:

• Vermehrtes Frieren, Kälteempfindlichkeit

• Gewichtszunahme

• Langsamer Pulsschlag

• Müdigkeit

• Kalte, trockene Haut, Haarausfall

• Wassereinlagerungen (Ödeme)

• Muskelschwäche

• Hohes Schlafbedürfnis

• Konzentrationsstörungen

• Depressive Stimmung

• Verstopfung

Warum führt eine Schilddrüsenunterfunktion zu Übergewicht?

Schilddrüsenhormone erhöhen den Sauerstoffverbrauch sowie den Energieumsatz der Mitochondrien und somit den Grundumsatz der Zelle. Infolgedessen steigt die Wärmefreisetzung (Thermogenese), gleichzeitig wird der Fettabbau (Lipolyse) gefördert. Die Freisetzung von Schilddrüsenhormonen ist damit eine der Möglichkeiten für den Körper, auf Kälteeinwirkung von außen zu reagieren. Umgekehrt führt eine Schilddrüsenunterfunktion zu den gegenteiligen Effekten, d.h. einer Verminderung der basalen Thermogenese und des Grundumsatzes, so dass bei unveränderter Kalorienaufnahme eine Gewichtszunahme erfolgt.

Schilddrüsen-Funktion

Schilddrüsenwerte verstehen

Ab welchen Werten spricht man von einer Schilddrüsenunterfunktion?

Der TSH-Wert

Die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion wird über einen zu hohen Wert des Regelhormons TSH (Thyreoidea stimulierendes Hormon) gestellt. Ein TSH-Wert ab 4,0 mU/l wird als erhöht definiert. Allerdings wird nach neuer Literatur diskutiert, dass bereits bei Werten > 2,5 mU/l eine latente Hypothyreose vorliegen kann.

Man unterscheidet zwischen einer latenten und einer manifesten Hypothyreose. Eine latente Hypothyreose liegt vor, wenn der TSH-Wert erhöht ist, die Werte für die freien Schilddrüsenhormone fT3 (Trijodthyronin) und fT4 (Levothyroxin) aber noch im Normalbereich liegen. Ist TSH erhöht bei gleichzeitig erniedrigten Werten für die freien Schilddrüsenhormone fT3 und fT4, spricht man von einer manifesten Hypothyreose.

Da die Hashimoto-Thyreoiditis die häufigste Ursache einer erworbenen Hypothyreose darstellt, sollten ergänzend die TPO-Antikörper (Antikörper gegen thyreoidale Peroxidase) bestimmt werden.

Nebennierenrinden-Überfunktion (Cushing-Syndrom)

Eine starke Gewichtszunahme trotz gesunder Ernährung und Sport kann auf eine Nebennierenrinden-Überfunktion hinweisen

Das klinische Bild des Cushing-Syndroms ist die Folge einer krankhaft gesteigerten Produktion des Nebennierenhormons Cortisol. Die absolute Mehrzahl der Cushing-Erkrankungen wird durch einen gutartigen Tumor in der Hirnanhangsdrüse ausgelöst, der eine Überproduktion des Hormons ACTH zur Folge hat. Dieses ACTH stimuliert dann die Nebennierenhormonproduktion und führt damit zu einem Anstieg von Cortisol im Blut. Daneben kann die Quelle der ACTH-Überproduktion allerdings auch in anderen Organen liegen (ektopes Cushing-Syndrom). Zusätzlich können Tumore der Nebenniere (gutartige Adenome oder bösartige Karzinome) direkt Cortisol produzieren.

Körperliche Ausprägungen beim Cushing-Syndrom

Ein frühes Zeichen der Erkrankung ist die Gewichtszunahme, insbesondere am Körperstamm. Es kommt zum Auftreten von Hamsterbäckchen und manchmal eines runden, sog. Vollmondgesichtes. Typischerweise bleiben Arme und Beine dabei schlank. Dabei können Dehnungsstreifen an Bauch, Hüfte und Achseln entstehen, die Schwangerschaftsstreifen ähneln.

Weitere Symptome können sein:

• Schlechtere Wundheilung

• Ausbleiben der Regelblutung

• Verlust der Muskelkraft

• Stimmungsschwankungen

• Akne

• negative Auswirkungen auf weitere Stoffwechselfunktionen und Kreislauf (z.B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck, Osteoporose)

Laboruntersuchungen bei Verdacht auf Cushing-Syndrom

Es erfolgt zunächst die Bestimmung des Cortisolwertes im Blut. Die Blutentnahme hierfür sollte morgens nüchtern erfolgen.

Fällt hier ein erhöhter Wert für Cortisol auf, wird zur Sicherung der Diagnose ein 1mg-Dexamethason-Hemmtest durchgeführt. Hierbei erfolgt die Einnahme von 1 mg Dexametason am Abend um 23.00 Uhr und eine Blutentnahme für die Bestimmung des Cortisols am nächsten Morgen um 08.00 Uhr. Werden dabei verminderte Werte für Cortisol gemessen (< 2,0 ug/dL (50 nmol/L)) kann ein Hypercortisolismus ausgeschlossen werden.

Lesen Sie in unserem Artikel Gesundheitsrisiko Übergewicht zu welchen Krankheiten Übergewicht führen kann. 

Quellen:
fet-ev.eu/schilddruese-hormone/ 
www.endokrinologie.net/www.endokrinologie.net/cushing-syndrom.php
www.internisten-im-netz.de/krankheiten/cushing-syndrom/untersuchungen-diagnose/
www.netdoktor.at/krankheit/stoffwechsel/schilddruese-und-gewicht-6963445
www.schilddruesenzentrum-koeln.de/wissenswertes/anatomie-funktion-der-schilddruese
www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/hormonstoerungen/schilddruesen-erkrankungen/article/425829/schon-gering-erhoehtes-tsh-beeinflusst-gewicht.html

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