Mein Direktlabor
Die Abnehmspritze: Moderne Unterstützung für den Stoffwechsel

In den letzten Jahren ist das Interesse an sogenannten „Abnehmspritzen“ stark gestiegen. Was ursprünglich als medikamentöse Hilfe für Menschen mit Typ-2-Diabetes und Adipositas gedacht war, hat sich inzwischen zu einem viel diskutierten Trend entwickelt – auch unter Menschen ohne medizinische Indikation. Doch was steckt wirklich hinter Wirkstoffen wie Semaglutid (Wegovy®, Ozempic®), Liraglutid (Saxenda®) oder Tirzepatid (Mounjaro®)? Welche Effekte haben sie – und welche Risiken gilt es zu beachten?
Wie wirken Abnehmspritzen im Körper?
Alle drei Präparate gehören zur Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten bzw. „Inkretinmimetika“. Diese Substanzen ahmen körpereigene Hormone nach, die im Darm nach einer Mahlzeit freigesetzt werden – sogenannte Inkretine. Sie sorgen dafür, dass Insulin vermehrt ausgeschüttet und gleichzeitig die Glukagonproduktion gehemmt wird. Das führt zu einer besseren Blutzuckerregulation und – für viele noch entscheidender – zu einer deutlichen Reduktion des Appetits.
Tirzepatid (Mounjaro®) wirkt als sogenanntes „Twinkretin“ sogar an zwei Rezeptoren gleichzeitig: dem für GLP-1 und dem für GIP (glukoseabhängiges insulinotropes Peptid). Dadurch kann der Gewichtsverlust besonders ausgeprägt ausfallen – teilweise bis zu 15 % des Körpergewichts.
Neben dem früheren Sättigungsgefühl verzögert sich die Magenentleerung, was zusätzlich zur Appetitreduktion beiträgt. In der Summe kann das zu einer deutlichen Gewichtsabnahme führen – oft in relativ kurzer Zeit.
Ursprünglich für Diabetes – heute auch für das „Wohlfühlgewicht“?
Zugelassen sind diese Medikamente für:
- Menschen mit Typ-2-Diabetes (meist zur besseren Blutzuckerkontrolle)
- Übergewichtige Personen mit einem BMI ≥ 30 (Adipositas)
- Personen mit einem BMI ≥ 27 in Kombination mit Folgeerkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen)
Mittlerweile nutzen viele Menschen ohne diese Voraussetzungen die Spritzen – häufig auf Privatrezept – mit dem Ziel, ihr Körpergewicht zu reduzieren oder das eigene Wohlbefinden zu steigern.
Welche Nebenwirkungen können auftreten?
Wie bei jedem wirksamen Medikament gibt es auch bei Abnehmspritzen mögliche unerwünschte Wirkungen. Diese lassen sich in zwei Gruppen einteilen:
Direkt durch das Medikament verursacht:
- Übelkeit
- Erbrechen
- Verstopfung oder Durchfall
- Blähungen, Aufstoßen
- Verzögerte Magenentleerung
- Verschlechterung einer bestehenden Refluxkrankheit (z. B. Sodbrennen)
Indirekt durch die Gewichtsabnahme:
Ein schneller Gewichtsverlust verändert die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit – Gallensteine können sich leichter bilden. In der Folge steigt das Risiko für:
- Gallenblasenentzündung
- Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
Eine Pankreatitis kann ein ernstes Krankheitsbild darstellen und muss schnell erkannt und behandelt werden.
Welche Laboruntersuchungen sind sinnvoll?
Unter der Anwendung von Abnehmspritzen ist eine medizinische Begleitung wichtig – auch durch regelmäßige Laborkontrollen. So lassen sich unerwünschte Wirkungen frühzeitig erkennen und Komplikationen vermeiden.
Empfohlene Laborwerte im Überblick:
Blutzucker und HbA1c
Da die Abnehmspritzen den Blutzuckerspiegel senken, empfiehlt sich eine regelmäßige Kontrolle der Blutglukose – insbesondere bei Personen mit bekannten Störungen im Glukosestoffwechsel oder einem Diabetes mellitus Typ II. Auch der Langzeitwert HbA1c gibt Aufschluss darüber, wie gut der Zuckerstoffwechsel in den letzten Wochen reguliert war. So lassen sich Über- oder Unterzuckerungen rechtzeitig erkennen und vermeiden.
Elektrolyte (v. a. Kalium)
Bei Nebenwirkungen wie Erbrechen oder Durchfall kann es zu einem Verlust wichtiger Mineralstoffe kommen. Besonders kritisch ist ein Abfall des Kaliumspiegels, da er das Herz-Kreislauf-System beeinträchtigen und im Extremfall zu Herzrhythmusstörungen führen kann. Eine Überwachung der Elektrolyte ist daher essenziell.
Leberwerte (GPT, GOT, Gamma-GT, Alkalische Phosphatase)
Während einer Phase schnellen Gewichtsverlusts oder längeren Fastens verändert sich die Zusammensetzung der Gallenflüssigkeit. In der Folge können sich Gallensteine bilden, die den Gallefluss behindern und zu einer Entzündung der Gallenblase (Cholezystitis) oder der ableitenden Gallenwege führen. Besonders kritisch wird es, wenn Gallensteine in den gemeinsamen Ausführungsgang von Gallenwegen und Bauchspeicheldrüse wandern – eine mögliche Ursache für eine Pankreatitis. Leberwerte können durch solche Prozesse ansteigen. Liegen erhöhte Werte vor, sollte eine weiterführende Abklärung (z. B. durch einen Ultraschall) erfolgen.
Lipase
Dieses Enzym stammt aus der Bauchspeicheldrüse und ist ein zentraler Marker bei der Diagnostik einer Pankreatitis. Eine Erhöhung der Lipase in Kombination mit typischen Symptomen wie starken Oberbauchschmerzen gilt als klarer Hinweis auf eine akute Entzündung. Da unter der Anwendung von Abnehmspritzen ein erhöhtes Risiko für Pankreatitiden beschrieben wurde, ist die regelmäßige Kontrolle der Lipase empfehlenswert.
CRP (C-reaktives Protein)
Das CRP ist ein Entzündungsmarker, der bei vielen akuten oder chronischen Entzündungsprozessen im Körper ansteigt. In Verbindung mit erhöhten Leberwerten oder einer auffälligen Lipase kann das CRP zusätzliche diagnostische Hinweise auf das Vorliegen einer Entzündung oder Infektion liefern.
Kreatinin
Die Nierenfunktion kann durch Flüssigkeitsverluste – zum Beispiel bei anhaltendem Durchfall oder Erbrechen – beeinträchtigt werden. Besonders bei vorbestehenden Nierenerkrankungen kann dies kritisch werden und im Extremfall bis zum Nierenversagen führen. Der Kreatininwert im Blut zeigt, ob die Ausscheidungsfunktion der Nieren aktuell ausreichend ist.
Blutfette (Cholesterin, LDL, HDL, Triglyceride)
Im Rahmen einer erfolgreichen Gewichtsabnahme kann sich auch der Fettstoffwechsel verändern. Insbesondere der LDL-Cholesterinwert – der in erhöhter Konzentration als gefäßschädigend gilt – kann sinken. Auch wenn genetische Faktoren einen wesentlichen Einfluss auf die Blutfettwerte haben, können Ernährungsumstellung und Gewichtsreduktion zu einer messbaren Verbesserung führen.
Vitamine und Mikronährstoffe
Bei längerfristiger Appetitminderung oder stark reduzierter Nahrungsaufnahme kann es zu Mangelzuständen kommen – insbesondere bei Vitamin B12, Vitamin D und Folsäure. Eine gezielte Kontrolle dieser Werte kann helfen, Defizite frühzeitig zu erkennen und gegebenenfalls durch Supplementierung auszugleichen.
Fazit
Die Abnehmspritzen können eine wirkungsvolle Hilfe bei Übergewicht und metabolischen Erkrankungen sein – vorausgesetzt, sie werden richtig eingesetzt und ärztlich begleitet. Besonders wichtig ist die regelmäßige Labordiagnostik: Sie ermöglicht eine frühzeitige Erkennung möglicher Nebenwirkungen und schafft die Grundlage für eine sichere, individuelle Therapie.
Denn am Ende geht es nicht nur ums Abnehmen – sondern um Ihre Gesundheit.



