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29.05.2019 -  Anja Proft

Kreuzallergien

verschiedene Apfelsorten

Auf den ersten Blick scheinen Pollen und Nahrungsmittel nur wenig gemeinsam zu haben. Allerdings sind sie sich wiederum so ähnlich, dass nicht mal das Immunsystem zwischen Birken und Äpfeln unterscheiden kann. Viele Pollenallergiker leiden daher nicht nur unter Heuschnupfen, sondern ihnen machen z.B. auch bestimmte Obstsorten zu schaffen. Falls Sie auch dazu gehören, steckt möglicherweise eine Kreuzallergie dahinter. Erfahren Sie hier, wie es zu einer Kreuzallergie kommt, welche Symptome sie auslöst und welche Testverfahren sowie Behandlungsmöglichkeiten es gibt.
 

Was ist eine Kreuzallergie?

Eine Kreuzallergie liegt vor, wenn eine Person nicht nur auf einen bestimmten Allergieauslöser (Allergen), sondern auch auf strukturell sehr ähnliche Allergene anderer Quellen reagiert. Dies liegt daran, dass die bei der ursprünglichen Allergie gebildeten Antikörper (IgE) nicht zwischen den jeweiligen Komponenten unterscheiden können. Die Folge ist eine überschießende Immunreaktion mit allergischen Symptomen.

Besonders häufig kommt dies bei Pollen und Nahrungsmitteln vor. Liegt z.B. eine Birkenpollenallergie vor, so richtet sich das Immunsystem häufig auch gegen die Eiweißstrukturen im Apfel. Etwa 60 % der Pollenallergiker leiden zusätzlich unter einer sogenannten pollenassoziierten Lebensmittelallergie. Eine Kreuzallergie ist die häufigste Ursache für Nahrungsunverträglichkeiten (Nahrungsmittelallergie).

Liste der häufigsten Kreuzallergien

Allergen

Mögliche Kreuzallergie

Baumpollen (Birke, Erle, Hasel)                    

Apfel, Pfirsich, Aprikose, Birne, Kirsche, Pflaume, Sellerie, Haselnuss, Karotte, Erdnuss, Soja

Beifußpollen

Sellerie, Gewürze und Kräuter (Anis, Curry, Kümmel, Senf, Koriander), Fenchel, Karotte, Knoblauch, Mango, Paprika, Petersilie, Tomate

Gräser- und Getreidepollen

Mehl, Kleie, Tomate, Sellerie, Hülsenfrüchte

Naturlatex

Ananas, Acerola-Kirsche, Avocado, Banane, Esskastanie, Kartoffel, Kiwi, Mango, Papaya, Pfirsich, Sellerie, Tomate

Hausstaubmilben

Schalen- und Weichtiere (z. B. Muscheln, Schnecken)

Ambrosia

Melone, Zucchini, Gurke, Banane

Vogelfedern

Ei, Geflügel, Innereien

Welche Symptome können auftreten?

Meist treten die Beschwerden direkt nach dem Verzehr des Nahrungsmittels auf, teilweise lassen sie aber auch bis zu 2 Stunden auf sich warten. Die Symptome sind vorwiegend lokal begrenzt und mild, seltener können auch schwere Reaktionen auftreten. Folgende Organsysteme können betroffen sein: die Mundschleimhaut, die Haut und die Atmungsorgane. Das Magen-Darm-System sowie das Herz-Kreislauf-System zeigen seltener Reaktionen einer Kreuzallergie.

Mundschleimhaut

Machen sich die Beschwerden im Mundbereich bemerkbar, spricht man auch von einer Kontakturtikaria der Mundschleimhaut (früher häufig auch als orales Allergiesyndrom bezeichnet). Sie ist besonders typisch für eine Kreuzallergie. In den letzten Jahren berichten Pollenallergiker häufiger von diesen Beschwerden. Die Symptome können u.a. umfassen:

• Brennen im Mund

• Schwellungen und Juckreiz der Mund- und Rachenschleimhäute

• Bläschenbildung im Mundraum (besonders Lippen)

Haut

• Schwellung der Haut (Angioödeme)

• Quaddelbildung/Nesselsucht

• Hautrötung

• Juckreiz

Magen-Darm-Trakt

• Durchfall

• Blähungen

• Krämpfe

Atmungsorgane

• Allergisches Asthma

Herz-Kreislauf-System

• Anaphylaktischer Schock

Einige hier aufgeführte Symptome ähneln stark denen einer Erkältung. Daher kann es häufiger zu Verwechslungen kommen. 

Ausmaß allergischer Reaktionen

Das Ausmaß einer Immunreaktion ist schwer vorhersehbar und hängt von vielfältigen Faktoren ab. Neben der Art und der Verzehrmenge des Lebensmittels spielen auch zahlreiche Schubfaktoren (Trigger) eine Rolle.

Viele Allergene werden beim Erhitzen zerstört, sodass gekochte Nahrungsmittel meist besser vertragen werden als rohe. Ein Apfelkuchen ist daher häufig verträglicher als ein roher Apfel.

Außerdem kann der Allergengehalt in Lebensmitteln stark variieren. Bestimmte Apfelsorten (z.B. Altländer oder Gloster) haben geringere Allergengehalte und werden daher besser vertragen als andere.

Die Allergiker reagieren sehr unterschiedlich auf das entsprechende Allergen. Bei einigen führen bereits Spuren zu schweren Reaktionen, wiederum andere zeigen selbst bei größeren Mengen nur leichte Symptome.

Zu den weiteren individuellen Einflussfaktoren gehören neben körperlicher Belastung und Infekten auch hormonelle Einflüsse oder Medikamente. So kann es sein, dass der Apfel nach dem Sport auf einmal Beschwerden auslöst. Außerdem können Stress und Alkohol die allergische Reaktion noch verstärken. Einige Pollenallergiker vertragen bestimmte kreuzreaktive Lebensmittel nur zur akuten Pollenzeit nicht.

Allergiediagnostik

Die Diagnose einer pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie beruht auf den klassischen Bausteinen der Allergiediagnostik. Wenn nach dem Verzehr bestimmter Lebensmittel Symptome auftreten, kann das Führen eines Ernährungs- bzw. Symptomtagebuchs eine Hilfestellung sein. Den Verdacht einer Kreuzreaktion sollten Sie jedoch unbedingt von einem Arzt bzw. über eine zuverlässige Allergiediagnostik abklären lassen.

Anamnese

In einem ausführlichen Gespräch wird die Krankheitsgeschichte des Patienten berichtet. Hierfür sind die Beobachtungen bezüglich der unverträglichen Lebensmittel sowie die Beschwerden von zentraler Bedeutung. Ein ausführliches Ernährungs- bzw. Symptomtagebuch kann sehr hilfreich sein. Das weitere diagnostische Vorgehen ist von den jeweiligen Allergiesymptomen abhängig.

Hauttest

Bei Verdacht einer pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie sollte der Hauttest (Pricktest) mit den Allergenen des Pollens und je nach Symptomatik und Alter des Patienten mit den assoziierten Nahrungsmittelallergenen erfolgen. Hierzu werden die Lösungen mit den Allergenen auf die Haut aufgetragen. Anschließend wird die Haut an den entsprechenden Stellen angepiekst, sodass die Allergenlösung in die Haut eindringt. Zeigt sich an dieser Stelle nach etwa 20 Minuten eine Reaktion in Form einer Quaddel, deutet dies auf eine Allergie hin.

Der Pricktest ist jedoch bei Nahrungsmitteln nicht so zuverlässig, da die Nahrungsmittelallergenextrakte meist nicht biologisch standardisiert sind. Teilweise ist auch kein entsprechendes Extrakt erhältlich. Besser geeignet ist daher der Hauttest mit frischen Früchten und Gemüsen in roher oder erhitzter Form (Prick-zu-Prick-Test). Eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse ist jedoch nicht gegeben.

Labortest (Bluttest auf Antikörper IgE)

Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie kann das Blut auf allergenspezifische Antikörper (IgE) untersucht werden. Dieser Bluttest kann angewendet werden, wenn der Hauttest kein klares Ergebnis liefert bzw. wenn der Hauttest ungeeignet ist (z.B. Nahrungsmittel nicht für den Hauttest geeignet). Vorteil des Bluttests ist außerdem, dass es hier zu keiner allergischen Reaktion, die mitunter schwer sein kann, kommt.

Darüber hinaus kann durch den Allergie-Bluttest genau differenziert werden, gegen welche einzelne Komponente eine Sensibilisierung besteht. So kann besser abgeschätzt werden, wie wahrscheinlich eine Kreuzreaktion mit anderen Komponenten ist. Dieser Test hat also ggf. eine stärkere Aussagekraft.

Zuverlässigkeit und Bewertung von Allergietests

Für die Interpretation der Ergebnisse aus den Allergietests ist wichtig zu bewerten, ob die herausgefundene Kreuzallergie auch klinisch relevant ist. So kann es durchaus vorkommen, dass über den Haut- oder den Bluttest Sensibilisierungen (Antikörperbildung) gegenüber kreuzreaktiven Komponenten aufgedeckt werden, der Verzehr jedoch keinerlei allergische Symptome hervorruft. Die Aussagekraft der Allergietests ist also teilweise begrenzt.

Auf keinen Fall sollte ein Lebensmittel nur aufgrund eines positiven Haut- oder Bluttests vom Speiseplan gestrichen werden. Nur wenn die Kreuzallergie auch Symptome auslöst, ist eine Vermeidung des entsprechenden Nahrungsmittels notwendig.

Provokationstest

Liefern Anamnese sowie Allergietests keine eindeutigen Ergebnisse, wird schließlich der orale Provokationstest durchgeführt. Nur dieser Test kann zwischen einer klinisch relevanten Nahrungsmittelallergie und einer Sensibilisierung ohne Symptome unterscheiden. Um die Erwartungshaltung des Patienten auszuschließen, sollte zusätzlich eine Kontrolle mit Placebo (ohne Wirkstoff) durchgeführt werden. Bei der Testdurchführung sind weitere Einflussfaktoren auf die Reaktionsstärke zu beachten.

Wie werden Kreuzallergien behandelt?

Die wirksamste Behandlung von Nahrungsmittelallergien ist die Meidung des entsprechenden Allergens. Von einem pauschalen Verzicht wird jedoch abgeraten. Bei einer pollenassoziierten Nahrungsmittelallergie ist zunächst wichtig zu unterscheiden, ob es sich um eine klinisch relevante Allergie handelt oder nicht. Nur wenn durch den Verzehr des Lebensmittels tatsächlich Symptome ausgelöst werden, sollte darauf verzichtet werden. In die Überlegungen sollten außerdem bestimmte individuelle Verstärker (siehe Abschnitt: „Ausmaß allergischer Reaktionen“) einbezogen werden.

Treten bei Pollenallergikern Beschwerden wie z.B. Heuschnupfen auf, kann eine spezifische Immuntherapie (SIT, Hyposensibilisierung) mit Pollen in Erwägung gezogen werden. Die Immuntherapie ist bei einigen Patienten auch bei der entsprechenden Kreuzreaktion wirksam. Der Effekt ist jedoch nicht vorhersehbar.

Sind bereits schwere Reaktionen durch die Nahrungsmittelallergie aufgetreten, ist das Führen eines Notfallsets nötig. Antiallergische Medikamente (z.B. Antihistaminika oder Cortison) können so bei der versehentlichen Aufnahme der allergieauslösenden Lebensmittel die Beschwerden lindern.

Was kann ich selbst tun?

Häufig löst nur rohes Obst und Gemüse Allergiesymptome aus, da die Allergene normalerweise hitzelabil sind. Ein einfaches Erhitzen der Lebensmittel reicht daher meist aus, um den Übeltäter zu zerstören. Das heißt, den Obstkuchen können Sie normalerweise ohne Bedenken genießen.

Durch das Führen eines Ernährungs- bzw. Symptomtagebuchs können Sie individuelle Schubfaktoren für das Ausmaß der allergischen Reaktion ausfindig machen. Werden die Beschwerden z.B. durch Alkohol oder Sport verstärkt, sollten Sie auf Alkohol verzichten bzw. das entsprechende Lebensmittel nicht vor, während oder nach einer körperlichen Belastung zu sich nehmen. Manchmal wird eine Obstsorte gut vertragen, werden mehrere Obstsorten in einem Salat gemischt, kann dies Beschwerden auslösen. Außerdem kann die Stärke des Pollenflugs Einfluss auf die Verträglichkeit der Lebensmittel haben. In akuten Phasen sollten Sie also pollenassoziierte Nahrungsmittel meiden, den Rest des Jahres können Sie sie möglicherweise unbeschwert genießen.

Quellen:
leti.de/fileadmin/bilder/fachkreise/Servicematerial/Bro_Kreuzallergien.pdf
www.allergieratgeber.de/tipps-fuer-allergiker/kreuzallergien#m%C3%B6gliche-kreuzallergien-im-%C3%BCberblick
www.allergiecheck.de/allergie/kreuzallergie.html
www.gpau.de/fileadmin/user_upload/GPA/dateien_indiziert/Elternratgeber/ER_2009_2-09.pdf
www.spiegel.de/spiegelwissen/allergietest-nutzen-von-pricktest-ige-test-epikutantest-und-co-a-969631.html
www.daab.de/ernaehrung/nahrungsmittel-allergien/ausloeser/kreuzallergie/
www.allum.de/krankheiten/orales-allergiesyndrom-oas
www.onmeda.de/allergie/kreuzallergie.html
dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/Leitlinie_Kreuzreaktionen_MWorm_DGAKI-2-2014.pdf

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