Dr. Christian Noah
HIV-Tests: Sicherheit durch frühzeitige Diagnose
Die HIV-Infektion ist nach wie vor nicht heilbar. Allerdings ist die moderne HIV-Therapie heutzutage so wirksam, dass sich eine Infektion gut kontrollieren lässt. Eine rechtzeitige Diagnose ist eine wichtige Voraussetzung für den Therapieerfolg. Bei einem frühen Therapiebeginn lässt sich bei guter Lebensqualität eine vergleichbare Lebenserwartung erreichen, wie bei nicht-infizierten Menschen. Erfahren Sie in diesem Artikel, welche Möglichkeiten der HIV-Testung es gibt und welcher Test für wen und wann sinnvoll ist.
Mehr als 96.000 Menschen sind in Deutschland mit HIV, dem Humanen Immundefizienz-Virus infiziert. Jedem 6. Patienten ist allerdings die eigene Infektion bisher nicht bekannt. Und bei einem Drittel der zuletzt etwa 3.200 Neudiagnosen pro Jahr lag bereits eine fortgeschrittene Schädigung des Immunsystems vor. Wenngleich alle HIV-Patienten von einer Therapie profitieren, verringert eine fehlende oder verspätete Diagnose die Chance auf einen nachhaltigen Therapieerfolg.

Welche HIV-Tests gibt es?
Das Angebot an HIV-Tests ist vielfältig – in Arztpraxen, Gesundheitsämtern, Beratungsstellen oder direkt im Labor. Inzwischen steht auch eine Vielzahl von Testverfahren zur Verfügung. Es gibt verschiedene Testverfahren, die je nach Situation unterschiedlich geeignet sind.
HIV-Test der 4. Generation (Suchtest/Screening)
Der Standardtest in der HIV-Diagnostik wird im Labor nach einer Blutentnahme durchgeführt. Er erkennt sowohl Antikörper als auch das p24-Antigen, einen Virusbestandteil. Dadurch kann eine Infektion früher festgestellt oder ausgeschlossen werden – bereits sechs Wochen nach einer möglichen Ansteckung. Ein positives (reaktives) Ergebnis muss durch einen Bestätigungstest gesichert werden, da auch falsch positive Ergebnisse möglich sind.
HIV-PCR
Bei der HIV-PCR wird nicht nach Antikörpern gesucht, sondern direkt nach dem Erbgut des Virus (HIV-RNA) im Blut. Die RNA ist bereits vor dem p24-Antigen und den Antikörpern nachweisbar – daher eignet sich die PCR besonders für den frühen Nachweis einer Infektion. Bereits ab dem 15. Tag nach einem Risikokontakt kann eine Infektion mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Die Methode ist vor allem sinnvoll bei frühem Testwunsch oder typischen Symptomen einer frischen HIV-Infektion, wie z. B. Fieber, geschwollenen Lymphknoten oder Hautausschlag.
Allerdings kann die PCR nicht alle HIV-Varianten sicher erfassen: Der in Deutschland sehr seltene HIV-Typ HIV-2 wird damit möglicherweise nicht erkannt. Zudem gibt es wenige Personen, sogenannte Elite-Controller, bei denen die Viruslast auch ohne Therapie dauerhaft unter der Nachweisgrenze liegt. In diesen Fällen kann die PCR trotz bestehender Infektion negativ ausfallen. Deshalb ersetzt die HIV-PCR keinen Antikörpertest. Auch bei negativem PCR-Ergebnis ist ein HIV-Suchtest (Test der 4. Generation) nach 6 Wochen empfehlenswert, um eine Infektion sicher auszuschließen.
HIV-Schnelltest
Schnelltests liefern das Ergebnis innerhalb von 30 Minuten und können vor Ort, z.B. in Beratungsstellen, mit einem kleinen Blutstropfen aus Finger oder Ohrläppchen durchgeführt werden. Sie erkennen in der Regel nur Antikörper, weshalb eine Infektion erst etwa drei Monate nach Ansteckung sicher ausgeschlossen werden kann. Positive Ergebnisse müssen durch einen Bluttest im Labor (Bestätigungstest) bestätigt werden.
HIV-Selbsttest (Heimtest)
HIV-Selbsttests sind seit kurzem in Apotheken, Drogerien und im Online-Handel frei erhältlich und ermöglichen eine diskrete Testung zuhause. Sie funktionieren ähnlich wie Schnelltests und haben die gleichen Einschränkungen: Ein negatives Ergebnis ist erst drei Monate nach Risikokontakt sicher, und bei einem positiven Ergebnis ist ein Bestätigungstest nach venöser Blutabnahme im Labor erforderlich. Insbesondere bei einem kürzlichen Übertragungsrisiko ist ein Selbsttest (wie auch der Schnelltest) meist ungeeignet.

Was kostet ein HIV-Test?
Der bei uns im Direktlabor durchgeführte Antikörper-Antigen-Test (Suchtest) kostet ab 20,11 €, zuzüglich der Kosten für Blutentnahme und Auslagen. Die HIV-PCR kostet ab 147,46 €, zuzüglich der Kosten für Blutentnahme und Auslagen. Die Preise und Testangebote können sich standortabhängig unterscheiden, Sie finden die aktuellen Preise je Standort in der Preisliste.
Eine Blutentnahme ist meist kurzfristig möglich. Auf Wunsch können Sie an vielen Standorten eine ärztliche Beratung in Anspruch nehmen und/oder den Test anonym durchführen lassen.
HIV-Test
Was kann ich nach einem HIV-Risikokontakt tun?
Wenn Sie ungeschützten Geschlechtsverkehr hatten und eine HIV-Infektion bei Ihrem Sexualpartner oder Ihrer Sexualpartnerin nicht ausgeschlossen werden kann, sollten Sie keine Zeit verlieren und sich möglichst schnell an einen Arzt wenden. Wenn nach Risikoabschätzung eine HIV-Übertragung in Betracht kommt, besteht die Möglichkeit einer sogenannten Post-Expositionsprophylaxe, also einer zeitlich befristeten (4 Wochen) HIV-Therapie, um das Infektionsrisiko deutlich zu reduzieren. Die Post-Expositionsprophylaxe ist am wirkungsvollsten, wenn Sie innerhalb weniger Stunden begonnen wird. Denken Sie nach einem Risikokontakt auch an andere sexuell übertragbare Infektionen wie die Syphilis, die Chlamydien-Infektion oder die Gonorrhoe (Tripper) und lassen Sie sich gegebenenfalls testen. Wenn Sie nicht geimpft sind, kann auch die Abklärung einer Hepatitis B sinnvoll sein.


