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05.04.2018 -  Anja Proft

Fructoseintoleranz kommt immer häufiger vor

Verschiedene Obstsorten Fructose

Treten nach dem Verzehr von Früchten und daraus hergestellten Produkten Verdauungsbeschwerden auf, ist häufig Fructose der Übeltäter. Dennoch bleibt die Fructoseintoleranz zu oft unerkannt und der Weg bis zur Beschwerdefreiheit ist meist mühsam. Welche Formen unterschieden werden, wie sich die Fructoseunverträglichkeit bemerkbar macht und wie Test und Therapie aussehen, lesen Sie hier.

Im Dünndarm findet die Zuckerverdauung statt. Mehrfachzucker werden in ihre einzelnen Moleküle gespalten und über die Dünndarmschleimhaut aufgenommen. Fructose (auch Fruchtzucker) gelangt normalerweise über ein spezielles Transportprotein in das Blut. Bei einer Fruchtzuckerunverträglichkeit ist dieses Protein jedoch defekt, sodass die Fructoseaufnahme eingeschränkt ist. Etwa 30 % der deutschen Bevölkerung leidet an dieser Fructoseintoleranz. Sie äußert sich mit Symptomen wie Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen nach dem Verzehr von Obst und fructosehaltigen Lebensmitteln.

Das Bewusstsein für eine Fruchtzuckerunverträglichkeit ist inzwischen in der Bevölkerung wie auch bei den behandelnden Ärzten gestiegen. Da die Verdauungsstörungen dennoch leicht mit anderen Magen-Darm-Erkrankungen verwechselt werden, ist es für die Betroffenen häufig immer noch ein langer Weg bis zur richtigen Diagnose.

Besteht der Verdacht einer Fructoseintoleranz, kann dieser leicht über einen einfachen Atemtest – vorausgesetzt, dass dieser korrekt durchgeführt wird – abgeklärt werden. Zuverlässige Informationen über die Behandlung der Fructoseintoleranz sind immer noch selten. Eine konsequente Ernährungsumstellung mit Hilfe einer Ernährungsfachkraft ermöglicht nicht nur die Beschwerdefreiheit der Betroffenen, eine erneute Aufnahme gewisser Fructosemengen ist anschließend meist auch wieder möglich.

Was ist Fructose?

Fructose gehört zu den Kohlenhydraten bzw. Zuckern. Je nach Anzahl an Zuckermolekülen teilt man diese in Einfach- (Monosaccharid), Zweifach- (Disaccharid) und Mehrfachzucker (Oligo- und Polysaccharide) ein. Fructose gehört neben Glucose zu den wichtigsten Einfachzuckern. Der Haushaltszucker (Saccharose) ist das wichtigste Disaccharid, das aus Fructose und Glucose besteht und als Süßungsmittel häufig eingesetzt wird.
Im Dünndarm muss der Zucker zunächst in seine Einzelbestandteile gespalten und anschließend resorbiert werden. Fructose wird mit Hilfe des Transportproteins GLUT-5 in die Dünndarmschleimhaut aufgenommen und vor allem in der Leber verstoffwechselt.

Menschen mit Fructoseintoleranz reagieren häufig mit Symptomen nach dem Verzehr folgender Lebensmittel

Lebensmittel, in denen Fructose natürlicherweise vorkommt:

• Trockenfrüchte
• Fruchtsäfte
• Marmelade
• Apfel, Birnen, Pflaumen, Aprikosen….
• Fruchtjoghurt

Lebensmittel, denen Fructose bzw. Saccharose industriell zugesetzt wird:

• Limonaden
• Diät- und Light-Produkte
• Süßwaren

Viele Fertigprodukte enthalten oft „versteckte“ Fructose, da ihnen Süßungsmittel zugesetzt werden, die reich an Fruchtzucker sind, obwohl man es zunächst nicht vermuten würde. Dies ist z.B. bei Maissirup oder Agavendicksaft der Fall.

Was sind die Ursachen einer Fructoseintoleranz?

Mit dem Begriff „Fructoseintoleranz“ wird im Allgemeinen die Unverträglichkeit von Fruchtzucker bezeichnet. Medizinisch werden jedoch zwei sehr unterschiedliche Krankheitsbilder unterschieden:

• Intestinale Fructoseintoleranz (häufigste Form)
• Hereditäre Fructoseintoleranz (sehr seltene Form, genetisch bedingt)  

Formen der Fructoseintoleranz

Die intestinale Fructoseintoleranz, auch Fructosemalabsorption genannt, ist die häufigste Form dieser Erkrankung. Sie kann angeboren oder erworben sein. Verantwortlich für die Unverträglichkeit ist ein defektes Transportprotein, der sogenannte GLUT-5-Transporter. Dieser sorgt normalerweise für die Aufnahme der Fructose vom Dünndarm ins Blut. Ist diese Resorption nicht oder nur eingeschränkt möglich, gelangt der nicht aufgenommene Fruchtzucker in tiefer liegende Darmschichten, wo er von Darmbakterien verstoffwechselt wird. Die dabei entstehenden Gase und kurzkettigen Fettsäuren lösen die typischen Beschwerden aus.

Auch bei Gesunden können sehr große Mengen von Fruchtzucker zu Verdauungsbeschwerden führen, wenn der Körper bei der Verarbeitung der Fructose überfordert ist und die Aufnahmekapazität überschritten wird. So können bereits Fruchtzuckermengen von mehr als 35 Gramm pro Stunde (z.B. zwei Gläser Apfelsaft, sechs getrocknete Feigen) starke Blähungen und Durchfall verursachen. Diese sind jedoch nur vorübergehend und nicht weiter gefährlich.

Die hereditäre Fructoseintoleranz ist eine sehr seltene erbliche Stoffwechselstörung, die durch einen Gendefekt ausgelöst wird. Bei dieser Form wird die Fructose zwar richtig aufgenommen, ein Enzymmangel sorgt jedoch dafür, dass die Fructose in der Leber nicht richtig abgebaut wird. Die Folge ist eine Anhäufung giftiger Stoffwechselprodukte, die zu schweren Leber-, Nieren- und Darmstörungen führen kann. Betroffene müssen lebenslang auf die Zufuhr von Fructose verzichten. Wenn wir im weiteren Verlauf des Artikels von Fructoseintoleranz sprechen, meinen wir die intestinale Fruchtzuckerunverträglichkeit bzw. Fructosemalabsorption.

Was sind die typischen Symptome bei Fructoseintoleranz?

Die Symptome der Fructoseintoleranz sind ähnlich wie bei der Laktoseintoleranz:

• Blähungen
• Durchfall
• Bauchschmerzen
• Übelkeit
• Verstopfungen

Diese Verdauungsbeschwerden werden durch die Stoffwechselprodukte (Wasserstoff, Methan, Kohlenstoffdioxid, kurzkettige Fettsäuren) der Darmbakterien hervorgerufen, die bei deren Verwertung der Fructose entstehen.

Eine unentdeckte und unbehandelte Fructoseintoleranz schädigt den Darm und kann Folgeerkrankungen auslösen.

Wird die Erkrankung nicht erkannt, verstärken sich die Symptome durch die weitere Aufnahme an Fruchtzucker und die Funktion des Verdauungstraktes verschlechtert sich zunehmend. Eine bakterielle Fehlbesiedlung kann ausgelöst werden und die Gefahr eines Reizdarmsyndroms steigt. Außerdem können depressive Verstimmungen hinzukommen. Die Aufnahme von Mikronährstoffen wie Zink und Folsäure ist durch die Fructoseintoleranz beeinträchtigt, sodass es möglicherweise zu einem Mangel kommen kann.

Diagnosestellung Fructoseintoleranz

Bei Verdauungsbeschwerden wird leider immer noch zu selten an eine Fructoseintoleranz gedacht, sodass Betroffene häufig einen langen Leidensweg bis zur Diagnosestellung haben. Eine Verwechslung mit anderen Erkrankungen, z.B. dem Reizdarmsyndrom, ist nicht selten. So werden bei den typischen Symptomen der Fructoseintoleranz oft aufwändige Untersuchungen wie z.B. Magen- oder Darmspiegelungen durchgeführt, die dann – logischerweise – ohne Ergebnis sind.

Der Wasserstoffatemtest (H2-Atemtest) gilt als Methode der Wahl zur Diagnose der Fructosemalabsorption. Bei der hereditären Fructoseintoleranz darf dieser Test in keinem Fall angewendet werden, da dieser zu starken Zuckerentgleisungen führen würde. Mit dem H2-Atemtest können auch weitere Unverträglichkeiten, wie z.B. die Laktoseintoleranz, nachgewiesen werden. Zu Beginn pustet der Betroffene in ein Atemgerät. Nach Aufnahme der Testflüssigkeit, die eine definierte Menge an Fructose enthält, pustet der Patient anschließend in Abständen von 30 Minuten erneut in das Atemgerät. Jedes Mal wird die Wasserstoffmenge gemessen. Ein Anstieg der Konzentration über einen bestimmten Grenzwert sowie die Symptome während des Testablaufs weisen eine Fruchtzuckerunverträglichkeit nach. Der gemessene Wasserstoff ist dabei ein Produkt, das die Darmbakterien aus der unverdauten Fructose im Dickdarm bilden.
Dieser Test ist auch bei Kindern gut durchzuführen und dauert meist um die zwei Stunden. Liegt eine Fructoseintoleranz vor, können während der Testdurchführung entsprechende Symptome auftreten.
Die verwendete Testmenge an Fructose muss unter der Aufnahmekapazität Gesunder liegen, da ansonsten auch bei einem Großteil gesunder Testpersonen fälschlicherweise eine Fructoseintoleranz diagnostiziert würde. Meist werden Mengen unter 25 Gramm Fructose verwendet. Fruktose-Intoleranz-Test



Blut- und Stuhluntersuchungen sind umstritten, da in Studien gezeigt wurde, dass diese Analysen nicht aussagekräftig sind. Sie liefern keine verlässliche Diagnose, weshalb der Wasserstoffatemtest als einzige Testvariante empfohlen wird.

Behandlung einer Fructoseintoleranz

Sollten Sie nach dem Genuss von Obst oder Fruchtsäften Symptome einer Fructoseintoleranz beobachten, ist es sinnvoll, diesen Verdacht mit Hilfe eines Wasserstoffatemtests abzuklären. Von strengen Diäten oder dem eigenmächtigen Verzicht auf bestimmte Lebensmittel wird abgeraten. Ist die Fructoseintoleranz diagnostiziert, kann eine individuell ausgerichtete Therapie beginnen. Oft ist es sehr hilfreich einen Ernährungsberater begleitend hinzuzuziehen. Die Aussichten stehen dann nicht schlecht, die Fructosetoleranz zu erhöhen, sodass wieder größere Mengen an Fruchtzucker vertragen werden. 3-Phasen Therapie bei Fructoseintoleranz

Phase 1: Karenzphase
In der ersten Phase der Ernährungsumstellung wird die Fructosemenge stark reduziert. Fruchtzuckerreiche Obstsorten (Birne, Apfel, Trockenobst) und deren Produkte sollten daher gemieden werden. Außerdem werden Zuckeralkohole (z.B. Sorbit) und Haushaltszucker (Saccharose) reduziert, da sie die Fructoseaufnahme hemmen. Fette und Eiweiße verlangsamen die Darmentleerung. Dadurch verbleibt der gesamte Speisebrei länger im Verdauungstrakt, sodass nur jeweils kleinere Fructosemengen aufgenommen werden müssen. Eine Erhöhung der Menge an Fett und Eiweiß in der Speisenzusammensetzung kann daher die Symptome reduzieren. Ziel der Karenzphase ist die Beschwerdefreiheit. Diese Phase dauert zwischen ein und sechs Wochen.

Phase 2: Testphase
Sobald der Betroffene in der Karenzphase beschwerdefrei ist, sollte in der Testphase die individuell verträgliche Menge an Fruchtzucker herausgefunden werden. Eine zu lange Einschränkung der Lebensmittelaufnahme, besonders an Obst, birgt die Gefahr eines Mangels an Vitaminen und Mineralstoffen. Fructosehaltige Lebensmittel können also wieder in den Speiseplan aufgenommen werden. Wichtig ist das Führen eines Symptom-Ernährungsprotokolls, damit der Betroffene genau weiß, welche Speisen vertragen werden und welche Beschwerden auslösen.

Phase 3: Dauerernährung
Wenn der individuelle Schwellenwert herausgefunden wurde, kann zur Dauerernährung übergegangen werden. Meist werden durch die konsequente Ernährungsumstellung nun wieder größere Mengen an Fructose vertragen. Die Menge an Glucose, Eiweißen und Fetten ist dabei ebenfalls zu beachten. So wird Obst zum Beispiel besser vertragen, wenn es zusammen mit Quark verzehrt oder nach einer Hauptmahlzeit aufgenommen wird. Die strikte Berechnung der Fruchtzuckeraufnahme ist daher unnötig. Von einer starken Einschränkung der Fructosemenge oder gar einem vollständigen Verzicht an Fruchtzucker wird abgeraten, da so die Aktivität des Transportproteins weiter zurückgehen würde.


 

Quellen:
www.ernaehrungs-umschau.de/fileadmin/Ernaehrungs-Umschau/pdfs/pfd_2009/12_09/EU12_694_700.qxd.pdf www.ugb.de/ernaehrungsberatung/fruktosemalabsorption-wenn-fruchtzucker-fuer-unruhe-sorgt/ www.onmeda.de/krankheiten/fructoseintoleranz.html www.netdoktor.at/krankheit/fruktosemalabsorption-8095 www.ernaehrung-bw.info/pb/,Lde/Startseite/Empfehlungen/Fructoseunvertraeglichkeit+_+wenn+Obst+den+Darm+belastet www.lebensmittelunvertraeglichkeiten.de/fructoseintoleranz/

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