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12.02.2018 -  Anja Proft

Warum nehme ich nicht ab?

Wer sich diese Frage stellt, ist nicht allein. Die Zahl der übergewichtigen Deutschen steigt kontinuierlich an und ein Großteil von ihnen hat bereits einige Versuche unternommen, die überschüssigen Pfunde endlich loszuwerden. Wenn Sie trotz aller Motivation, Ernährungsumstellung und Sport dennoch nicht abnehmen, könnte eine Stoffwechselerkrankung die Ursache für den ausbleibenden Erfolg sein.

Die häufigsten Gründe für Übergewicht

Seit vielen Jahren wird immer wieder darüber diskutiert und in verschiedenen wissenschaftlichen Studien versucht zu belegen, warum die Menschen in den Industrienationen immer dicker werden und v.a. wie diese Entwicklung aufgehalten werden kann. Meist ist die Ursache ein falscher Lebensstil, v.a. ein Übermaß energiereicher Lebensmittel sowie eine verringerte Bewegung. Allerdings spielen auch die Gene eine Rolle, warum manche Menschen zu Übergewicht neigen und andere bei der gleichen Ernährung normalgewichtig bleiben. Verschiedene Maßnahmen, die besonders im Bereich Aufklärung der Bevölkerung ansetzen, waren bisher nicht sonderlich erfolgreich, die besorgniserregende Entwicklung mit steigenden Zahlen Übergewichtiger aufzuhalten. Ein stärkerer Einbezug politischer Maßnahmen, wie z.B. über eine höhere Besteuerung ungesunder Lebensmittel und steuerliche Vergünstigungen von Obst und Gemüse, eine einfache Kennzeichnung der Lebensmittel nach Gesundheitswert (Ampel-Kennzeichnung), ein Verbot von Lebensmittelwerbung für Kinder oder eine gesunde Schulverpflegung, wären im Kampf gegen Übergewicht nötig. Weitere Gründe für eine Gewichtszunahme können neben psychischen Ursachen (Stress, Einsamkeit, Depressionen) auch die Einnahme von Medikamenten, Stoffwechselstörungen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten sein.

Genetische Veranlagung

Welchen Einfluss die Gene auf das Körpergewicht haben, wurde in verschiedenen Zwillingsstudien untersucht und je nach Studienanordnung auf bis zu 60 % beziffert. Allerdings muss eine Person mit dieser genetischen Vorbelastung nicht zwangsläufig dick werden. Ob und in welchem Ausmaß dies geschieht, entscheiden dann die Umweltbedingungen. Bei z.B. fettarmer Ernährung und ausreichender Bewegung können auch Personen mit einer Neigung zu Übergewicht ihr Gewicht halten.

Einseitige Ernährung und zu wenig Bewegung

Da der Körper Jahrhunderte lang ein begrenztes Angebot an Nahrung zur Verfügung hatte, ist er darauf programmiert, Reserven für schlechte Zeiten anzulegen. Auf das in den letzten Jahrzehnten vorherrschende Überangebot energiereicher Lebensmittel ist der Körper nicht eingestellt. Hinzu kommt, dass ein Großteil der Deutschen sich einseitig ernährt und zu viele fett- und zuckerhaltige Lebensmittel und Getränke zu sich nimmt. Diese Lebensmittel haben meist eine hohe Energiedichte, weshalb mit einer relativ kleinen Menge schnell ein hohes Maß an Energie aufgenommen wird, das auch nicht lange satt macht. Sinnvoller ist es, viele energiearme Lebensmittel (z.B. Gemüse, Lebensmittel mit Ballaststoffen) zu sich zu nehmen. Bei gleicher Menge wird so automatisch weniger Energie aufgenommen. Ob Low-Carb (wenig Kohlenhydrate) oder Low-Fat (wenig Fett) ist dabei letztlich egal. Wichtig ist die Reduzierung der Gesamtenergieaufnahme, die möglichst als dauerhafte Verhaltensänderung durchgehalten werden muss. Neue Ansätze, wie z.B. das intermittierende Fasten (Magazin-Beitrag Anfang Februar) hat sich zum Abnehmen als besonders erfolgreich erwiesen. Hinzu kommt, dass durch den zunehmend sitzenden Lebensstil auch weniger Energie verbraucht wird. So kommt es relativ schnell dazu, dass mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird. Selbst ein geringer täglicher Energieüberschuss, der nicht abgebaut wird, kann sich so relativ schnell akkumulieren und über Monate und Jahre zu einer beträchtlichen Gewichtszunahme führen.

Übergewicht durch Medikamente

Als unerwünschte Wirkung verschiedener Medikamente kann es zur Gewichtszunahme kommen. Psychopharmaka (Antidepressiva, Neuroleptika) führen bereits nach kurzer Behandlungsdauer zur Steigerung des Körpergewichts. Kortison, das als Entzündungshemmer bei vielen Krankheiten eingesetzt wird, steigert den Appetit und die Wassereinlagerung. Aber auch Medikamente gegen Bluthochdruck, Diabetes oder Migräne sowie die Antibabypille können das Zunehmen begünstigen.

Stoffwechselstörungen

Auch einige Stoffwechselstörungen, wie z.B. die Schilddrüsenunterfunktion oder eine Nebennierenrinden-Überfunktion, können zu Übergewicht führen. Mehr dazu lesen Sie weiter unten.

Stress und Schlafmangel

Bei Stress schüttet der Körper die Hormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol aus. Auf Dauer kann dies viele schädliche Auswirkungen haben. Neben einem geschwächten Immunsystem tritt Bluthochdruck häufiger auf. Bei chronischem Stress werden bestimmte Hormone unterdrückt, wodurch die Fettmasse im Körper zu und die Muskelmasse abnimmt. Die mit Stress häufig einhergehenden Schlafstörungen bergen zusätzlich die Gefahr einer Gewichtszunahme. Schlafmangel führt vermutlich zur Abnahme des appetitdämpfenden Hormons Leptin und einem Anstieg des appetitfördernden Hormons Ghrelin. Durch diese Appetitsteigerung könnte Schlafmangel zur Gewichtszunahme führen.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Wird aufgrund von z.B. einer Laktose-Intoleranz oder einer Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) die Ernährung umgestellt, so kann dies mitunter Übergewicht begünstigen. Laktosefreie Ersatzprodukte (z.B. Reis- oder Mandelmilch) sind durch den Produktionsprozess häufig stark gezuckert. Der Zuckergehalt muss in der Zutatenliste nicht aufgeführt werden, weshalb die Gefahr besteht, dass unwissentlich mehr Kalorien aufgenommen werden. Auch glutenfreie Ersatzprodukte enthalten meist weniger Ballaststoffe, die lange satt halten, dafür aber häufig mehr Zucker und Fett und entsprechend mehr Kalorien.

Starke Gewichtszunahme in kurzer Zeit

Tritt eine starke Gewichtszunahme in sehr kurzer Zeit auf, ohne dass sich die Ernährung oder das Bewegungsmuster verändert haben, so sollte diese unbedingt abgeklärt werden. Sie ist meist ein Zeichen für eine Erkrankung oder eine hormonelle Störung.

Labortests bei Übergewicht

Wenn Sie bereits seit Längerem erfolglos versuchen abzunehmen und sowohl Ernährungsumstellung als auch mehr Sport nichts gebracht haben, sollten Sie labormedizinisch abklären, ob eine Stoffwechselstörung für Ihr Übergewicht verantwortlich ist. Durch die Bestimmung des TSH-Wertes im Blut können wir bei uns im Labor eine Schilddrüsenunterfunktion ganz leicht aufdecken. Die Cortisol-Analyse liefert erste Hinweise auf eine Nebennierenrinden-Überfunktion. Bei sehr hohen Werten folgen weitere Untersuchungen.

Außerdem ist es sinnvoll zu untersuchen, ob durch das Übergewicht bereits Risikofaktoren für bestimmte Stoffwechselerkrankungen bestehen. Der Blutzuckerspiegel sowie der HbA1c-Wert (Langzeitblutzucker), Blutfettwerte (Triglyceride, Cholesterin, HDL- und LDL-Cholesterin), Harnsäure- und Leberwerte zeigen, ob eine Anpassung des Lebensstils über die Ernährung bzw. ein verändertes Bewegungsverhalten oder ggf. Medikamente nötig sind, um mögliche Folgeschäden zu vermeiden.

Tests bei Übergewicht



 

Quellen:
www.diabetes-ratgeber.net/Diabetes/Symptome-Anzeichen-fuer-einen-Diabetes-222631.html
www.news.doccheck.com/de/blog/post/7855-typ-2-diabetes-warum-ignoriert-ihr-die-diaet/
www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Chronische_Erkrankungen/HKK/HKK_node.html
www.ugb.de/gesund-abnehmen-ohne-diaet/uebergewicht-nur-veranlagung/?uebergewicht-adipositas
www.krebsinformationsdienst.de/aktuelles/2016/news67-uebergewicht-adipositas-krebsrisiko-iarc.php
www.ugb.de/ernaehrungsberatung/gicht-ernaehrung/
www.ptaforum.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=9638
www.endokrinologen.de/uebergewicht.php
www.endokrinologie.net/cushing-syndrom.php
www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2015/daz-30-2015/wenn-medikamente-dick-machen
www.welt.de/gesundheit/article160307622/Gewichtszunahme-durch-Medikamente.html
www.citypraxen.de/symptome/allgemein/gewichtszunahme/
www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Themen/Uebergewicht_Adipositas/Uebergewicht_Adipositas_node.html
www.ernaehrungs-umschau.de/print-news/13-12-2017-aktion-gesunde-mwst-weniger-uebergewichtige-durch-gesunde-mehrwertsteuer/
www.gesundheit.de/ernaehrung/gesund-essen/ernaehrung-und-lebensstil/erkrankungen-durch-falsche-ernaehrung
www.aerzteblatt.de/nachrichten/57975/Hormonstoffwechsel-Was-chronischen-Stress-ausloest
www.spektrum.de/frage/macht-schlafmangel-dick/1483363
www.mein-allergie-portal.com/

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